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8. Sorbentag in Raddusch fordert mehr Rechte für sorbisches Volk in Brandenburg und Sachsen

Der 8. Sorbentag ist der erste gemeinsame Termin der Landtagsfraktionen der LINKEN aus Brandenburg und Sachsen seit Amtsantritt der rot-roten Landesregierung in Potsdam. Als Vertreterin des Kabinetts hat Finanzstaatssekretärin Daniela Trochowski (DIE LINKE) am Sorbentag in der Slawenburg Raddusch (Vetschau/Spreewald) teilgenommen.

Neben den minderheitenpolitischen Sprechern der Fraktionen Jürgen Maresch (Brandenburg) und Heiko Kosel (Sachsen) beschäftigten sich die Brandenburger Fraktionsvorsitzende Kerstin Kaiser, der Parlamentarische Geschäftführer in Sachsen, Klaus Tischendorf, seine Fraktionskollegin aus der Lausitz, Kathrin Kagelmann, und die bildungspolitische Sprecherin Cornelia Falken mit dem sorbischen Bildungswesen und Wegen zu mehr demokratischen Rechten für das sorbische Volk. An der Spitze zahlreicher Persönlichkeiten des sorbischen Lebens, darunter die Mitglieder des Brandenburger Sorbenrates, Angela Schurmann und Ratsvorsitzender Harald Konzack, sowie die Vorsitzende des Rates der Stiftung für das sorbische Volk, Helene Theurich, war Jan Nuck, Vorsitzender der Domowina.

Zu Beginn der Veranstaltung gab der Kulturwissenschaftler Martin Walde vom Sorbischen Institut mit einem Referat zu seinem Buch „Wie man seine Sprache hassen lernt“ einen Einblick in Erfahrungen mit Diskriminierung und die sozialpsychologischen Folgen, die sich vor allem in einer Ablehnung der eigenen Muttersprache manifestieren. Finanzstaatssekretärin Daniela Trochowski, auch Mitglied im Rat der Stiftung für das sorbische Volk, zeigte sich von den genannten Beispielen betroffen und hob hervor, dass es neben einer entsprechenden Finanzausstattung darum gehe, „Kultur, Sprache und Siedlungsgebiete zu pflegen und zu schützen“.

Jürgen Maresch: „Wir haben erreicht, dass der Vorsitzende des Rates für sorbische Angelegenheit einmal im Jahr das Wort vor dem ganzen Parlament ergreifen kann. Es ist eigentlich lächerlich, dass wir darum kämpfen müssen, dass vor dem Landtag auch die sorbische Fahne hängt. Und aus eigener Erfahrung weiß ich, dass sich der Charakter des Niedersorbischen Gymnasiums Cottbus zunehmend verliert und dort immer mehr deutsch gesprochen wird. Hier besteht dringender bildungspolitischer Handlungsbedarf!“ Domowina-Vorsitzender Jan Nuck sagt dazu: „Wir müssen die Wertschätzung der sorbischen Sprache erhöhen, haben aber leider keinen Einfluss auf das Bildungswesen. Die Politik macht Gesetze und Ausführungsbestimmungen, wir werden zwar immer wieder zu Gesprächen eingeladen, können aber nicht mitbestimmen. Hätten Sorben am Niedersorbischen Gymnasium etwas zu sagen, hätte es diese verheerende Entwicklung nicht gegeben. Für Räckelwitz entscheidet Sachsens Kultusministerium ohne Konsultation mit Vertretern der Sorben, dass die 8. Klasse an der Mittelschule nicht zugelassen wird – so darf man nicht mit uns umgehen!“ Cornelia Falken sagte eine politische Intervention ihrer Fraktion zu, auch deshalb weil in den veröffentlichten Listen des Ministeriums zur Nichtzulassung von Klassen Räckelwitz gar nicht erwähnt worden ist.

Heiko Kosel stellte den Entwurf seiner Fraktion eines „Gesetzes zur Sicherung der Rechte der Sorben im Freistaat Sachsen“ vor, dem zufolge die Mitglieder des Sorben-Rates künftig auf der Hauptversammlung des Sorben-Dachverbandes Domowina bestimmt werden. Perspektivisch hält Kosel ein Wiederaufleben der Anfang der 90-er Jahre verworfenen Idee für vorstellbar, dass die ethnische Minderheit das Recht hat, parallel zur Landtagswahl ihre(n) Repräsentanten für das Parlament zu wählen.

Kerstin Kaiser macht sich im Ergebnis der Debatte für zwei von den Sorben direkt zu wählende Abgeordnete in jedem der beiden Landtage stark – ein Modell, das Domowina-Vorsitzender Nuck am Beispiel Sloweniens vorgestellt hatte: „Die Sorben sollten ihre Interessen endlich selbst auch in der Landespolitik vertreten können. Wir werden weiterhin verlässliche Partner/innen der Sorben sein – gerade auch in ihrem Ringen um mehr Selbstbestimmung in Bildungs- und Kulturfragen.“

(18.06.2010)

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