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Stiftung für das sorbische Volk provoziert Streit um Kultur-GmbH

H. Kosel / J. Maresch: Strukturdebatte zur Zukunft der sorbischen Sprach- und Kulturpflege aus der Schieflage befreien.

Zur Diskussion um den Offenen Brief sorbischer Kulturschaffender an die Stiftung für das sorbische Volk erklären die minderheitenpolitischen Sprecher der Fraktionen DIE LINKE im Sächsischen Landtag und im Landtag Brandenburg Heiko Kosel und Jürgen Maresch:

Die Strukturdebatte zur Zukunft der sorbische Sprach- und Kulturförderung steckt offensichtlich in erheblichen Schwierigkeiten. Nachdrücklich lehnen sorbische Kulturschaffende als Unterzeichner des Offenen Briefes an die Stiftung für das sorbische Volk die geplante Kultur-GmbH ab. Dies sollten die Verantwortungsträger in der Stiftung sehr ernst nehmen.

Die bisherige Vorgehensweise in Sachen Kultur-GmbH scheint in Teilen ähnlich mangelhaft, wie die gesamten, seit 2008 laufenden Planungen zur Struktur der von der Stiftung geförderten Einrichtungen: überhastetes Handeln, politischer Druck der Geldgeber der auf bloße Mittelreduzierung abzielt, zeitliche beengenden Zielvorgaben der Stiftungsverwaltung an die beteiligten Arbeitsgruppen und Vorgaben, die der sorbischen wie der gesamten kulturellen Öffentlichkeit der Lausitz erst gar nicht zur Kenntnis gegeben werden. Insbesondere diese mangelnde Transparenz und die schleppende Einbeziehung der Betroffenen werden mehr und mehr zur Gefahr für die zur Verbesserung der sorbischen Sprach- und Kulturförderung nötige Reformdebatte.

Bezüglich des aktuellen Streits um die sog. Kultur-GmbH kommt verschärfend hinzu, dass auf der mittleren Ebene das Konstrukt Kultur-GmbH aus den Boden gestampft würde, ohne die davon betroffenen sorbischen Kultureinrichtungen aufgrund der noch ausstehenden Ergebnisse der jeweiligen Facharbeitsgruppen im kulturpolitischen Sinne weiter zu profilieren. Und ohne dass die oberste Ebene als zukünftige Interessensvertretung des sorbischen Volkes - z. B. durch Errichtung einer Körperschaft des öffentlichen Recht – verbindlich aufgestellt wäre.

Es nimmt angesichts dieser Tatsachen nicht wunder, dass sorbische Kulturschaffende, die sich mit ganzem Herzen der Förderung der sorbischen Kunst verschrieben haben, aufbegehren. Die Diskussion über die weitere Gestaltung der sorbischen Kulturlandschaft ist klar in Schieflage geraten. Eilfertig wird über Reformen diskutiert, ohne deren Zweck, Ziel und Auswirkung zu hinterfragen. Gradmesser für Veränderungen in sorbischen Einrichtungen aber kann nur ein Zugewinn an künstlerischer Wirksamkeit und damit eine Stärkung der sorbischen Sprach- und Kulturförderung sein. Angesichts der bereits sichtbaren Bedrohung der Existenz sorbischer Kultureinrichtungen muss das weitere Vorgehen umgehend mit den Betroffenen beraten werden. Ein „Weiter so!“ über deren Köpfe hinweg, darf es nicht geben!

29. Juli 2010

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