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Versetzung des sorbischen Pfarrers von Ostro Thema im Landtag – Anfrage an die Staatsregierung

Der Bischof der Diözese Dresden-Meißen, Joachim Reinelt, hat entschieden, den sorbisch sprechenden Pfarrer polnischer Herkunft der sorbisch-katholischen Kirchgemeinde Ostro (Wotrow) zum 1. September ins Vogtland zu versetzen. Dagegen hat sich nicht nur in der Lausitz Protest formiert, letzten Mittwoch haben Jugendliche aus Ostro im Bischöflichen Ordinariat über 700 Unterschriften übergeben, die die Rücknahme der geplanten Versetzung von Pfarrer Tomasz Dawidowski verlangen und fordern, die Zahl sorbisch sprechender Priester in der Lausitz nicht zu verringern.

Nun wird dieses Problem Thema im Landtag, der sorbische Abgeordnete und Rechtsanwalt Heiko Kosel, will von der Staatsregierung wissen, ob Bischof Reinelt mit seiner umstrittenen Entscheidung gegen den Vertrag zwischen dem Freistaat Sachsen und dem Vatikan verstößt. Denn darin heißt es (Artikel 10): „Die katholische Kirche wird das katholisch geprägte sorbische Kulturgut bewahren und schützen. Der Freistaat unterstützt hierbei die katholische Kirche im Rahmen seiner Möglichkeiten.“

Zu seiner Anfrage erklärt Heiko Kosel, europa- und minderheitenpolitischer Sprecher der Fraktion DIE LINKE im Sächsischen Landtag: Die katholische Kirche hat sich im Vertrag mit dem Freistaat Sachsen zur Verpflichtung bekannt, katholisch geprägtes sorbisches Kulturgut zu schützen. Die Gläubigen der Gemeinde Ostro, viele Menschen aus der Lausitz, aus anderen Regionen Deutschlands, aber auch aus Tschechien, Polen und weiteren Staaten sind davon überzeugt, dass die Versetzung von Pfarrer Dawidowski der sorbischen Sprach- und Glaubenskultur schweren Schaden zufügt. Ich möchte daher von der Staatsregierung wissen, ob sie in dieser Personalentscheidung – unbeschadet der grundsätzlichen Autonomie der Kirche in Personalfragen – einen Verstoß gegen den Vertrag zwischen Freistaat und Heiligem Stuhl sieht.

Darüber hinaus ersuche ich die Staatsregierung um Auskunft, ob sie diese Angelegenheit für eine Sache „von besonderer Bedeutung“ hält, bei der ein „Zusammenwirken“ zwischen Staatsregierung und Diözesanbischof angesagt ist (Artikel 2). Wenn ja, bitte ich um Informationen, in welcher Weise die Staatsregierung unterstützend tätig wird, um im konkreten Fall zu einer Lösung im Interesse der katholischen Sorben nicht nur in Ostro zu kommen. Die Menschen in Ostro, allen voran die Jugend, sehen in Pfarrer Dawidowski, der um seiner Gläubigen willen Sorbisch gelernt hat, inzwischen einen sorbischen Priester, der in der gesamten sorbischen Lausitz zur Pflege der sorbischen Sprach- und Glaubenskultur maßgeblich beiträgt und viele Kontakte zu unseren slawischen Nachbarn pflegt.

Angesichts der existenziellen Bedrohung insbesondere des öffentlichen Sprachraums der Sorben, bei dessen Bewahrung sorbische Geistliche eine wichtige Rolle spielen, ist die Versetzung eines dieser Geistlichen ein Thema, das alle Sorben und ihre Freunde – egal welcher Konfessionszugehörigkeit oder Weltanschauung – zutiefst berührt. Deshalb erwarte ich unbeschadet der üblichen Bearbeitungsfristen eine Antwort der Staatsregierung noch vor dem 1. September, wenn die sorbisch-katholische Gemeinde Ostro (Wotrow) ihren Pfarrer zu verlieren droht.

23. August 2010

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