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Sorbisch darf nicht Opfer von Gemeindefusionen werden

Initiative mit Sorbengesetz und Sprachencharta nicht im Einklang

Der sorbische Abgeordnete der Fraktion DIE LINKE im Sächsischen Landtag, Heiko Kosel, Sprecher der Fraktion für Europa- und Minderheitenpolitik, erklärt zur Diskussion über die Rolle der sorbischen Sprache im öffentlich Raum anlässlich der geplanten Gemeindefusion von Crostwitz und Panschwitz-Kuckau:

Die Forderung der Bürgerinitiative „Gemeindefusion 2011“ (erhoben in Punkt 11 eines offenen Briefes an Bürgermeister und Gemeinderäte), dass künftig bei allen öffentlichen Veranstaltungen auf dem Territorium der Gemeinden Crostwitz und Panschwitz-Kuckau nicht mehr sorbisch gesprochen dürfe, wenn dies faktisch auch nur einer der Anwesenden verlange, ist nicht akzeptabel. Bisher finden die Sitzungen des Gemeinderats in Crostwitz im Regelfall in sorbischer Sprache statt. Paragraf 9 des sächsischen Sorbengesetzes gibt jedem Sorben das Recht, sich in Verwaltungssachen mündlich wie schriftlich der sorbischen Sprache zu bedienen, dies muss auch für sorbische Gemeinderäte und Bürgermeister gelten.

Im Ersten Bericht der Bundesrepublik Deutschland zur Umsetzung der Europäischen Charta der Regional- oder Minderheitensprachen aus dem Jahr 2000 heißt es: „In den rein sorbischen oder überwiegend sorbischen Gemeinden des Freistaates Sachsen ist das öffentliche Leben von der sorbischen Sprache geprägt. Dies schließt die Verwaltung und die Sitzungen der Gemeinderäte ein. Dabei wird sichergestellt, dass – z.B. durch Aushänge in beiden Sprachen – auch die Bürger, die nur die deutsche Sprache verstehen, in das örtliche Leben einbezogen sind.“ Unabhängig davon, ob die Fusion von Crostwitz und Panschwitz-Kuckau überhaupt noch zustande kommt, müssen entsprechend der Vorgaben der Europäischen Charta der Regional- oder Minderheitensprachen und des sächsischen Sorbengesetzes die wenigen noch bestehenden öffentlichen sorbischen Sprachräume erhalten werden.

Diese Forderung hat auch der neugewählte Vorsitzende der Domowina, David Statnik, am Wochenende auf der Hauptversammlung des Sorben-Dachverbandes erhoben. Für uns als LINKE steht daher fest: Eine schrittweise Fusion der bisher selbstständigen sorbischen Gemeinden des Verwaltungsverbandes „Am Klosterwasser“ – Crostwitz, Panschwitz-Kuckau, Nebelschütz, Ralbitz-Rosenthal und Räckelwitz – zu einer sorbischen Großgemeinde darf es nur geben, wenn dabei die sorbische Sprache im öffentlichen Raum gestärkt und nicht geschwächt wird. Dies sollte im Übrigen im Zeitalter simultaner Übersetzungstechnik weniger denn je für alle Einwohner ein Problem sein. Wenn das Europäische Parlament mit 23 Amtssprachen arbeitsfähig ist, werden wir es wohl noch schaffen, mit zwei klarzukommen. Der „gleichberechtigte Umgang mit beiden Sprachen“ bedeutet nämlich entgegen der Meinung der Initiative nicht, die eine bei erstbester Gelegenheit unter den Tisch fallen zu lassen!

30.03.2011
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