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Kosel zum 10. Jahrestag des „Crostwitzer Schulstreits“

Bildungs- und Kultur-Autonomie der Sorben aktueller denn je

Zum 10. Jahrestag des Beginns des „Crostwitzer Schulstreits“ am 9. August erklärt der sorbische Landtagsabgeordnete Heiko Kosel, Sprecher für Minderheiten- und Europapolitik der Fraktion DIE LINKE im Sächsischen Landtag:

Nicht nur die sorbische Mittelschule in Crostwitz ist längst geschlossen, auch die Mittelschule in Panschwitz-Kuckau gibt es nicht mehr, und die Ralbitzer und Räckelwitzer Schule sind genötigt, ggf. nur einen Jahrgang für beide Standorte anzubieten. Die Folgen, eine verstärkte Abwanderung von Kindern sorbischer Elternhäuser an nichtsorbische Schulen in der Nachbarschaft, sind in Zahlen ablesbar und schmälern das Entwicklungspotenzial des Sorbischen. Vom kleinen sorbischen Schulnetz im Altkreis Kamenz sind also de facto gewissermaßen anderthalb Schulen übriggeblieben. Im Altkreis Bautzen wiederum existiert die sorbische Mittelschule Radibor nur dank einer erfolgreichen Klage der Gemeinde gegen den Freistaat Sachsen.

Dennoch war der über einem Monat dauernde „Crostwitzer Schulstreit“ im Sommer 2001 mit selbstorganisiertem Unterricht und europaweiter Solidarität nicht vergeblich. Die Forderung nach Erhalt und Ausbau sorbischer Sprachräume im öffentlichen Leben, die hinter dem Engagement gerade für diese Schule stand, lebt fort in einem gewachsenen Selbstbewusstsein der Sorben beim Umgang mit ihrer Muttersprache. Dies zeigte sich erst neulich, als die Crostwitzer Gemeinderäte ihr Recht, auf Sorbisch Kommunalpolitik betreiben zu können, einer Gemeindefusion vorgezogen haben, die sie zum Verzicht auf ihre Muttersprache genötigt hätte.

Der Blick zurück führt zum Blick nach vorn: Das Thema Bildungs- und Kulturautonomie des sorbischen Volkes, über das bereits vor zehn Jahren heftig diskutiert wurde, steht wieder auf der Tagesordnung. Wie schon im Sommer 2001 sind als Alternativen ein „sorbisches Parlament“ oder die Stärkung der Domowina als Interessenvertreterin des sorbischen Volkes im Gespräch. Beide Alternativen müssen in einem gesellschaftlichen Dialog unter den Sorben, aber auch zwischen Sorben und Deutschen in der Lausitz sowie den Sorben und der Landes- und Bundespolitik weiter qualifiziert werden, damit eine sachgerechte Entscheidung möglich ist. Eines aber steht für mich fest: Noch einmal zehn Jahre dürfen wir nicht warten!

9. Sorbischer Tag der LINKEN Landtagsfraktionen Sachsen und Brandenburg am 26. August in Crostwitz: http://www.linksfraktionsachsen.de/index.php?section=calendar&cmd=event&id=118

Dokumentation zum Crostwitzer Schulstreit („Chróšćan zběžk“) in deutscher und sorbischer Sprache, nach zehn Jahren wiederaufgelegt: http://www.linksfraktionsachsen.de/images/content/publikationen/Archiv/Chroscan_zbezk_2001.pdf

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