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Kosel / Maresch zum Sorbischen Tag in Crostwitz: Kultur- und Bildungsautonomie muss am Ende der Strukturdebatte stehen

Am 26. August fand der 9. Sorbische Tag (Serbski dźeń) der Landtagsfraktionen der LINKEN aus Sachsen und Brandenburg statt. Daran nahmen u. a. Thede Boysen, Leiter des Minderheitensekretariats der vier anerkannten autochthonen Minderheiten in Deutschland, der Vorsitzende des Sorben-Dachverbandes Domowina, David Statnik, und der tschechische Europaabgeordnete Jaromír Kohlíček teil.


Im Mittelpunkt stand die Frage nach dem effektivsten Modell künftiger Vertretung der Interessen des sorbischen Volkes, der Zukunft des zweisprachigen Schulwesens in der Lausitz und der Struktur der sorbischen Institutionen. Vor genau zehn Jahren ereignete sich hier der „Crostwitzer Schulstreit“ (Chróšćan zběžk), einen Monat lang protestierten jeden Morgen Hunderte Menschen gegen die Nichtzulassung der 5. Klasse der – inzwischen längst geschlossenen – Crostwitzer Mittelschule. Und gegen den Willen des Dresdner Kultusministeriums wurde ehrenamtlich durch Pädagogen im Ruhestand bzw. Studenten Unterricht nach sächsischem Lehrplan erteilt:

Dazu erklären die minderheitenpolitischen Sprecher der beiden Fraktionen der LINKEN, Heiko Kosel (Sachsen) und Jürgen Maresch (Brandenburg):

DIE LINKE steht für eine Kultur- und Bildungsautonomie des sorbischen Volkes. Ob diese selbst bestimmte Interessenvertretung besser durch eine Körperschaft des öffentlichen Rechts oder eine Stärkung des eingetragenen Vereins verwirklicht werden kann, müssen die Sorben selbst entscheiden. Der anhaltende Zerfall des sorbischen Schulnetzes und die teilweise selbst zerstörerischen Streitigkeiten um Strukturen von Institutionen, über deren Rahmen in der Stiftung eine deutsche Mehrheit entscheidet, signalisieren Handlungsbedarf.

Wir LINKE halten die Körperschaft des öffentlichen Rechts einschließlich eines sorbischen Parlaments für eine Erfolg versprechende Perspektive, wenn die Sorben dieses Modell selbst wollen. Zugleich sagen wir klar: Eine Selbstverwaltung ist nur möglich, wenn es einen unbefristet garantierten Finanzrahmen mit jährlichem Inflationsausgleich gibt, da „Autonomie“ ansonsten hieße, dass die Sorben die „Freiheit“ haben, ihre Institutionen selbst zu schließen.

Damit überhaupt eine sachgerechte Abwägung möglich ist, müssen beide Varianten noch weiter qualifiziert und offene Fragen beantwortet werden. Im Sinne eines produktiven Diskurses abseits bekannter Konfrontationslinien und einer Überwindung des derzeitigen argumentativen Stillstands haben wir heute angeregt, dass die Exponenten beider Modelle einmal ihre gewohnte Rolle verlassen und darüber nachdenken und sagen sollen, wie ihre Bedenken gegen das von ihnen bisher abgelehnte Modell zerstreut werden könnten.

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